Hilfe für Betroffene und Angehörige bei psychischen Erkrankungen


Psychische Erkrankungen beeinflussen nicht nur den Betroffenen selbst, sondern haben auch Auswirkungen auf Angehörige und Nahestehende. Hilfe und Unterstützung sind für beide notwendig. Es gibt umfangreiche Ressourcen und Angebote, die es ermöglichen, mit psychischen Herausforderungen besser umzugehen und das Wohlbefinden zu verbessern. Der erste Schritt ist zu erkennen, dass Hilfe verfügbar ist.

Professionelle Hilfe aufsuchen

Der erste Ansprechpartner bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung ist meist die Hausärztin oder der Hausarzt. Diese können erste Abklärungen durchführen, eine Überweisung zu Fachpersonen ausstellen und initialen Unterstützung bieten. Psychiaterinnen und Psychiater sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten bieten spezialisierte Diagnose und Behandlung. Psychologische Beratungsstellen bieten kostenlose oder kostengünstige Unterstützung. Wichtig ist, frühzeitig Hilfe zu suchen.

Psychotherapieverfahren

Es gibt verschiedene evidenzbasierte Psychotherapieformen:

  • Kognitiv-Verhaltenstherapie (KVT): Wirksam bei Depression, Angststörungen und vielen anderen Erkrankungen
  • Psychodynamische Therapie: Hilft unbewusste Muster zu verstehen
  • Gesprächspsychotherapie: Bietet einen unterstützenden Raum
  • Systemische Therapie: Berücksichtigt Beziehungsmuster
  • Spezialisierten Therapien: Etwa für Trauma (EMDR, Traumafokussierte KVT)

Selbsthilfegruppen und Peer-Support

Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein. Selbsthilfegruppen bieten Verständnis, praktische Tipps und emotionale Unterstützung. Viele Erkrankungen haben etablierte Selbsthilfegruppen in der Gemeinschaft. Online-Communities ermöglichen Austausch unabhängig von Ort und Zeit. Angehörigengruppen helfen Nahestehenden, besser mit der Situation umzugehen.

Unterstützung für Angehörige

Angehörige tragen oft emotionale Belastung mit. Empfohlen wird:

  • Sich selbst informieren über die Erkrankung
  • Unterstützung für sich selbst in Anspruch nehmen
  • Grenzen setzen und auf die eigene psychische Gesundheit achten
  • Mit der betroffenen Person kommunizieren, ohne zu urteilen
  • Praktische Hilfe anbieten, aber auch Unabhängigkeit unterstützen
  • In Krisen schnell Hilfe rufen

Krisenintervention und Notfalltelephone

In akuten Krisen sind spezialisierte Telefonleitungen verfügbar. Diese bieten sofortige Unterstützung und können bei der Vermittlung von Notfallhilfe unterstützen. Psychiatrische Notfallabteilungen in Krankenhäusern sind rund um die Uhr erreichbar. Bei unmittelbare Gefahr sollte der Notfalldienst (112) angerufen werden.

Lebensstiländerungen und Selbsthilfe

Neben professioneller Hilfe unterstützen Lifestyle-Maßnahmen die Genesung:

  • Regelmäßige körperliche Bewegung: Verbessert Stimmung und Angst
  • Ausreichender Schlaf: Grundlage psychischer Stabilität
  • Gesunde Ernährung: Unterstützt Gehirnfunktion
  • Soziale Kontakte: Reduzieren Isolation
  • Achtsamkeit und Entspannungstechniken: Helfen Stress zu bewältigen
  • Vermeidung von Substanzen: Reduziert Risiken

Psychische Erkrankungen sind behandelbar, und mit angemessener Unterstützung erholt sich die Mehrheit der Betroffenen. Das erste Schritt ist, Hilfe zu suchen. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt, sowie Ihre Apothekerin oder Ihr Apotheker sind vertrauensvolle Ansprechpartner und können Ihnen helfen, die richtige Hilfe zu finden und einen Weg zur Genesung einzuschlagen.

Hinweis: Dieser Text dient nur der allgemeinen Information und ersetzt nicht die Beratung durch Ärztin oder Arzt oder Ihre Apothekerin oder Ihren Apotheker.